Heldin mit Hijab

Zeina würdest du dich kurz vorstellen, wer du bist und was du beruflich machst?

„Ich heiße Zeina Nassar und bin eine 20-jährige Berlinerin mit libanesischen Wurzeln, die zur Zeit Soziologie und Erziehungswissenschaft in Potsdam studiert und Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes ist. Des Weiteren spiele ich im dritten Jahr im Gorki-Theater im selbstentwickelten Stück „STÖREN“ mit. Meine größte Leidenschaft ist allerdings der Boxsport. Ich bin Leistungssportlerin und aktuell deutsche Boxmeisterin im Federgewicht. Zudem habe ich eine Basketballschiedsrichter Lizenz.“

Wie sbist du auf das Boxen gekommen?

„Ich war schon immer sehr sportbegeistert und ein vielseitig interessierter Mensch, der gerne neues ausprobierte. Zudem war ich sehr neugierig nach dem Boxen und mit 13 Jahren habe ich zufällig mit einer Freundin gemeinsam Videos von trainierenden boxenden Frauen in einer Sporthalle gesehen und mich dann sofort inspirieren lassen, weil ich es vorher nicht kannte. Diese Mädchen und Frauen waren sehr diszipliniert beim Training und zeigten Härte und Ehrgeiz, so dass Sie mich auch beeinflusst haben, mit dem Boxen anzufangen. Ich dachte nur, wenn sie es können, dann kann ich es auch. Ich hatte selber früher diese Vorurteile, dass Boxen nur was für Männer sei und es viel zu gefährlich ist. Die Frauen zeigten mir allerdings das Gegenteil. So ging ich zum Probetraining und verliebte mich in diese Kampfsportart, die übrigens sehr viel Respekt und Disziplin erfordert. Zudem war es für mich ein sehr abwechslungsreicher Sport, da ich zuvor viele andere Sportarten nur in einem Team ausgeübt hatte.“

Hast du dich schon als Kind geprügelt?

„Ich habe mich nie geprügelt und mache es auch heute nicht. Im Boxsport geht es keinesfalls um Prügeln, da es eine sehr kontrollierte Sportart ist. Es geht viel mehr darum, mit einer schlauen Taktik den Kampf zu führen. Gefühle müssen jedoch unter Kontrolle sein und man darf sich nicht über ein starken Treffer oder ähnliches ärgern, sondern muss blitzschnell konzentriert weiterboxen und die Deckung z.b hochnehmen. Auch wenn man mal Angst beim Boxen hat, kann man dies überwinden.“

Was fandest du am Boxen so interessant?

„Ich fand es sehr spannend, sich im Boxring mit anderen Gegnern auszutauschen, die man vorher nicht kannte. Im ersten Schritt versucht man immer herauszufinden, welche Stärken und welche Schwächen das Gegenüber, also der Gegner hat. Nachdem man dies herausgefunden hat, boxt man sehr schlau und mit guter Taktik. Dies macht sehr Spaß! Boxen erfordert sehr viel Konzentration und mentale Stärke und ich suche gerne nach neuen Herausforderungen, deswegen besteht für mich ein Boxwettkampf aus 70% Kopfsache und nur 30% Kraft.“

Hast du eigentlich damit gerechnet, dass du fünffache Berliner-Boxmeisterin wirst?

„Zu Beginn meiner Zeit habe ich überhaupt nicht an eine Teilnahme an einem Wettkampf gedacht. Ich habe mich für den Sport interessiert, weil man durch unterschiedliche Sportarten differenzierte Körperteile trainieren kann. Zudem wollte ich fit sein, etwas Neues ausprobieren und Stärke aufbauen. Um auf die Frage zuzugreifen aber, kann ich sagen, dass ich niemals gedacht hätte, dass ich heute fünffache Berliner Boxmeisterin- und deutsche Meisterin bin. Nach einem Jahr Training war meine Trainerin von mir so überzeugt, dass Sie mich dazu überzeugt hat, an Kämpfen teilzunehmen, da Sie sehr viel Potenzial in mir gesehen hat. Während dieser Zeit haben sich die Ziele von mir sehr geändert, denn ich wurde ehrgeiziger und habe mich sehr schnell in kurzer Zeit weiterentwickelt.“

Wie haben deine Eltern reagiert, als du ihnen gesagt hast, dass du boxen möchtest?

Meine Eltern waren zu Beginn sehr geschockt darüber, dass ich mit dem Boxen anfangen will. Da ich jedoch fest von der Entscheidung entschlossen war, hielte ich Zuhause Boxpräsentation, um Sie zu überzeugen. Darüber hinaus erzählte ich Ihnen, dass Sport wichtig für die Gesundheit sei und jemanden fit mache. Natürlich habe ich Ihnen erzählt, welche Vorteile ich hätte und was diese Sportart verspricht. So sahen sie meine Leidenschaft und ließen mich dies ausprobieren. Nach einem Jahr nahm ich, wie nicht geplant an Wettkämpfen teil und es war der zweite Schock für Sie. Als Sie jedoch meine positiv steigende Entwicklung und mein Potenzial gesehen haben, freuten sie sich sehr für mich und haben mich seitdem sehr stark unterstützt. Sie sind alle stolz auf mich und stehen alle hinter mir.

Was hat das Boxen dir für das Leben beigebracht?

„Durch das Boxen habe ich gelernt Verantwortung zu übernehmen, Geduld im Leben zu haben und für meine Ziele zu kämpfen. Ich habe ein starkes Selbstbewusstsein entwickelt und ich kann mich gut verteidigen. Zudem fühle ich mich einfach sehr stark. Beim Training schalte ich ab und bewältige meinen Stress. Ich bekomme den Kopf frei und sammle neue Konzentration. Natürlich bin ich sehr diszipliniert und erkenne durch das Boxen meine Grenzen. Vor allem habe ich mich selber besser kennengelernt. Durch mein Sport konnte ich sehr viele Menschen erreichen und insbesondere Jugendliche motivieren, für ihre Ziele einzustehen und niemals aufzugeben. Ich bin für sehr viele eine Inspiration und ein großes Vorbild und bewege viele Menschen dazu, selber Entscheidungen zu treffen bzw. kämpfe ich für die Gerechtigkeit. Mit meinem Sport Kämpfe ich auch gegen Vorurteile und setze ein großes Zeichen in der Gesellschaft.“

War es eine Überwindung für dich, Menschen zu schlagen? Wenn nicht, warum eigentlich?

„Es war überhaupt keine Überwindung, da es ja kein Prügeln ist. Boxen ist ein kontrollierter Sport und keiner wird gezwungen, im Ring zu boxen und beide Kämpfer respektieren sich. Im Hinblick auf meine vergangene Erfahrungen kann ich erwähnen, dass dieser Sport mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben hat.“

Du erhälst ja aufgrund deines Kopftuchs viel Aufmerksamkeit. Findest du es gut, dass so viel darüber diskutiert wird oder fühlst du dich auf das Kopftuch reduziert ?

„Ich möchte nicht auf das Kopftuch reduziert werden. Religion ist mir wichtig! Aber das Kopftuch soll mich nicht vom Sport abhalten, denn es spielt keine Rolle, was du auf dem Kopf trägst, eher was im Kopf steckt. Mein Sport ist mir wichtig und darauf wird der Fokus gesetzt. Ich freue mich wenn ich andere motivieren und ermutigen kann, aber ich mache es nicht bewusst.“

Denkst du, dass du ein Vorbild bist?

„Der Rolle als Vorbild werde ich mir erst jetzt richtig bewusst. Ich bekomme viele Anfragen von jungen Mädchen, Jungen und Frauen, die auch gerne Boxen wollen, aber nicht wissen was beim ersten Box-Training eigentlich passiert. Auf Instagram bin ich sehr aktiv, wie wahrscheinlich meine ganze Generation. Ich teile einfach alles was mir wichtig ist und das ist in erster Linie mein Sport! Mich freut es sehr, wenn ich durch meinen Sport andere begeistern kann. Meine Message an alle ist, sich niemals von jemanden sagen zu lassen, dass man etwas nicht erreichen kann. Wenn man sich ein Ziel setzt, sollte man alles dafür tun, um dieses zu erreichen!“

Bekommst du Hasskommentare? Wenn ja, wie gehst du damit um?

„Ich bekomme, wie jeder andere Mensch, der im Netz aktiv ist, sowohl positive- als auch negative Hasskommentare. Mit öffentlichen Druck kann ich aber ziemlich gut umgehen. Schließlich bin ich ein positiver Mensch, der sich lieber mit den positiven Sachen beschäftigt. Hasskommentare ignoriere ich oder ich sehe sie als Motivation und denke mir, dir zeig ich es erst recht, indem ich einfach weitermache!

Welche Erinnerungen hast Du noch an deine alte Schule (HHG) und denkst Du, dass dir deine Schule geholfen hat, diesen Weg zu gehen?

"Ja, klar habe ich Erinnerungen an meine alte Schule. Ich habe vieles am HHG erlebt, wie zum Beispiel das Miteinanderlernen mit meinen Klassenkameraden auf die unterschiedlichen Schulfächer. Dies hat wirklich Spaß gemacht am HHG, denn all meine Freunde waren sehr aufgeschlossen. Zudem ist das HHG eine Schule mit vielen abwechslungsreichen Möglichkeiten, sich zu steigern und auch zu bilden. Es wurden immer wieder Lernhilfen angeboten, die kostenlos waren. Schließlich denke ich, dass meine Schule z.B. durch die Mediathek, durch Lernhilfen, als auch durch aufgeschlossene Schüler mitgeholfen hat, diesen Weg zu gehen. Ich habe an der Schule gelernt, wie das Leben ist, wenn man nicht studiert und wenn man seinen Zielen nicht nach geht. Einige meiner Lehrer haben auch gezeigt, dass Übung den Meister macht, so dass ich immer an diesen Gedanken gedacht habe, als ich immer Boxerin werden wollte! Toll!

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