TuSch-Partnerschaft mit dem Gorki-Theater

STÖREN hoch ZWEI

Zu Beginn dieses Schuljahrs erhielten 32 Schüler*innen eine Videobotschaft: Die sechs jungen Darsteller*innen von „Stören“ (von Suna Gürler und Ensemble), die mitten in den eigenen Endproben steckten, sprachen ihnen eine Einladung aus. Was habt ihr zu den Themen Frau-Sein, Sexismus, medial geformte Körper- und Rollenbilder zu sagen? Was erlebt ihr? Was stört euch? Sie begegnen einander und treten in Austausch über blinde Flecken das Thema Gender betreffend, über Spielweise und Inhalte der Gorki-Inszenierung, über geteilte und unterschiedliche Erfahrungen - bei Proben, zur Aufführung, in Gesprächen. Die Schüler*innen der Theaterkurse des 10. Jahrgangs des Hermann-Hesse-Gymnasiums und des 12. Jahrgangs der  Max-Beckmann-Oberschule entwickeln eigene Präsentationen, treffen sich zu Workshops, coachen einander. Entstanden sind zwei szenische Kommentare auf „Stören“, die nach der Premiere am 29. März 2017 im Gorki Studio Я auf dem TUSCH-Festival präsentiert werden.

Leitung: Astrid Petzoldt, Eva Albert, Claudia Kügele-Jeschal, Saskia Neuthe

STÖREN

Auszug aus der Info vom GORKI zu dem Stück -

Stören ist die erste Laborproduktion mit nicht-professionellen jungen Darstellerinnen unter professionellen Bedingungen – eine Neuheit im Spielplan des Gorki. Die Stückentwicklung mit sechs jungen Frauen im Rahmen von Theater zur Demokratie – Uniting Backgrounds in der Regie von Suna Gürler selbst ist schon als Teil des bildungspolitischen Konzepts zu betrachten. Die Möglichkeit, sich über einen intensiven Probenzeitraum mit einem politischen und zugleich persönlichen Verständnis von Körperlichkeit, Verletzbarkeit und Verantwortung auseinanderzusetzen, ist ein reicher Erfahrungswert, den die jungen, nichtprofessionellen Spielerinnen als Multiplikatorinnen an das Publikum auf Augenhöhe weitergeben und ihnen Denkanstöße liefern.

Angebunden an Stören entwickeln 32 Schüler*innen unserer beider Partnerschulen Max-Beckmann-Oberschule und Hermann-Hesse-Gymnasium ein szenisches Kommentar auf die Gorki-Jugendproduktion.

Das GORKI X hat eine Materrialmappe für Lehrer*innen für das Stück erstellt

Link zu GORKI X

Die Anfänge

Die Partnerschaft mit dem Gorki-Theater startete mit hohem Tempo. Gemeinsames Sammeln von Ideen für das erste Partnerschaftsjahr und ein Studientag für das Kollegium, unterstützt durch Theaterpädagogik, Dramaturgen und Regisseure, bildeten einen fulminanten Start. Gleich darauf begann die Arbeit mit den Schüler*innen: Körperworkshops, Besuche im Tanztheater FALLEN und Einstiegskurse zu VERRÜCKTES BLUT boten Gelegenheit, sich mit gesellschaftlichen Klischees auseinander zu setzen.

Das Kernprojekt wird im Kurs Darstellendes Spiel des 11. Jahrgangs verankert sein. Die Schüler*innen gestalten ihre eigene Auseinandersetzung mit dem Nibelungenstoff, ausgehend von der Gorki-Inszenierung DER UNTERGANG DER NIBELUNGEN, die im Oktober Premiere haben wird. Im Laufe des Projekts sind Besuche einer Probe, des Kostümfundus, eines Kampftrainers und einer Sprechtrainerin geplant. 

Die Nibelungen

Inzwischen haben unsere Kernprojekt-Schüler*innen den UNTERGANG DER NIBELUNGEN im Gorki selbst erlebt und ihre erste eigene Theater-Rezension dazu verfasst. Sie waren harte Kritiker, haben die Aufführung aber trotzdem genossen und sind überzeugt, eine noch bessere Adaption der Nibelungen auf die Bühne zu bringen… Bestens vorbereitet für den dafür erforderlichen körperlichen Einsatz sind sie bereits, dank eines actionreichen Körper-Workshops, den eine Theaterpädagogin vom Gorki Mitte Januar an der Hesse-Schule durchgeführt und der die Schüler*innen sehr motiviert hat. Der Gestaltung der Isenland-Szene, in der Siegfried und Gunther Brunhild überwinden, steht nun nichts mehr im Wege. Im März fand außerdem ein Stimm- und Sprech-Workshop mit einer Sprechtrainerin statt, damit die Hesse-Nibelungen auch eindrucksvoll zu hören sind, sobald es an die Textarbeit geht. 

Das Gender-Projekt

Neben dem Nibelungen-Projekt lief in diesem Schuljahr auch ein ebenfalls im Gorki verankertes Gender-Projekt. Der 11er Kurs Darstellendes Spiel beschäftigte sich das erste Halbjahr mit verschiedenen Lebensentwürfen, Beziehungsformen und Geschlechterrollen. Es kam zu überaus spannenden Begegnungen mit drei Inszenierungen des Gorki, mit Marianna Salzmann, der Hausautorin und drei VertreterInnen der Golden Gorkis, der AkteurInnen 60+. Als großer Höhepunkt präsentierten die Schüler*innen am 28. Januar 2015 ihre szenische Auseinandersetzung und wurden für ihre vielschichtige Auseinandersetzung mit dem Thema Gender bejubelt.